Drucken

Leute

Empathie für den Bösewicht

Wie aus Drehbüchern Filme entstehen erfuhr Maike Walbroel beim Medienfest.NRW vom Drehbuchautor Edgar von Cossart.

 
 

Drehbuchautoren sorgen dafür, dass wir einen Film bis zum Ende anschauen. Was nötig ist, um eine gute und vor allem spannende Geschichte zu erzählen, erzählte Edgar von Cossart, Drehbuchautor, auf dem Medienfest.NRW.

„Die Medien“ – das sind längst nicht nur die abendlichen Nachrichten oder das Radio. Genauso dazu gehören auch die Unterhaltungsmedien, also Filme und Hörbücher. Wenn wir Filme im Fernsehen oder im Kino sehen, entscheiden meist wenige Faktoren darüber, ob uns der Film gefällt, oder ob wir – im schlimmsten Fall – abschalten. Da schließlich niemand einen langweiligen Film mit durchschnittlichem Protagonisten und vorhersehbarer Handlung sehen möchte, gibt es Drehbuchautoren.

Handlungsaufbau

„Die erste Idee kommt meistens aus der Zeitung“, sagt Edgar von Cossart, der nach seinem Studium der Theaterwissenschaften für verschiedene TV-Sender als Drehbuchautor arbeitete. „Ein guter Film braucht drei Dinge: Einen Held, ein Ziel und einen Konflikt.“ Diese Formel lässt sich tatsächlich auf viele Filme anwenden, die mir einfallen: Bilbo Beutlin begleitet im Film „der Hobbit“ die Zwerge, um deren verlorene Heimat zurückzugewinnen. Dabei stehen im zahlreiche Gefahren, Hindernisse und auch Konflikte im Weg. Aber auch Krimis funktionieren auf diese Weise: Stets hat ein Held, beispielsweise ein Polizist oder Detektiv, das Ziel, einen Mörder zu fangen und wird durch verschiedenste Umstände davon abgehalten.

Spannungserzeugung

Wie aber schafft man es, dass die Zuschauer wirklich mitfiebern, also hoffen, dass Bilbo und die Zwerge den Drachen Smaug besiegen und, dass keinem der Helden etwas zustößt – kurz, wie wird ein Film eigentlich spannend? Ein Mittel ist die sogenannte „dramatische Ironie“, das bedeutet, der Zuschauer weiß mehr, als der Held im Film, ist ihm also einen Schritt voraus. Aber genauso funktioniert es umgekehrt: Wenn der Held des Films ein Geheimnis hat, möchte der Zuschauer dieses natürlich kennen und fiebert dem Moment entgegen, in dem es enthüllt wird. Mindestens genauso wichtig wie die Spannung sind Emotionen – nicht nur für Liebesfilme! „Früher war es wichtig, dass man sich mit dem Helden eines Filmes identifizieren konnte, dann sollte er wenigstens sympathisch sein. Heute kann selbst ein Bösewicht wie der Pate der Held sein – er braucht allerdings auch positive Eigenschaften“, so von Cossart.

Herausforderung Fortschritt

Mit der rasanten Entwicklung des Films vom Schwarzweiß- und Stummfilm im letzten Jahrhundert zum 3D-Film mit 48 Bildern pro Sekunde hat sich auch für Drehbuchautoren einiges verändert. Durch die Geschwindigkeit des modernen Films wird auch die Handlung immer schneller. Ohne Frage ist es eine Herausforderung, ein Drehbuch zu schreiben. Im Gegensatz zu einem Buch soll ein Drehbuch schließlich verfilmt werden. Deshalb muss der Autor beim Schreiben immer schon das Ende kennen. „Film ist Handlung und er soll die Handlung erlebbar machen. In nur 90 Minuten muss man auf das Ziel zuschreiben“, erklärt von Cossart.

Drehbuchschreiben als Beruf

Wer selbst Drehbuchautor werden möchte, der braucht also mehr als nur eine gute Idee. Erst mit dem richtigen Handwerkszeug gelingt das eigene Drehbuch. Vor allem Kenntnisse der Dramaturgie sind wichtig. Das sind Regeln, die festlegen, wie man eine Geschichte am besten aufbaut, aber auch Spannung und Emotionen erzeugt. Da Drehbuchautor kein klassischer Ausbildungsberuf ist und auch kein Studium voraussetzt, kann im Prinzip jeder ein Drehbuch für einen Film schreiben. Wer seine Idee aber an einen Fernsehsender verkaufen und so sein Geld verdienen will, der kann die wichtigsten Techniken in diversen Kursen oder an privaten Schulen erlernen. Obwohl die Regeln zum Aufbau von Drehbüchern immer die gleichen bleiben, ist Edgar von Cossart überzeugt, dass sein Beruf nicht monoton ist, denn „Geschichten erzählen wird nie langweilig.“

 
Kommentar(e) (44)