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"Das wird Kult sein auf dem Schulhof"

Kostja „Üllmann“ und Eko Fresh berichten von den Dreharbeiten zu ihrem neuen Film, über Ayran im Fläschchen, Bauchtanz am Set und ihren eigenen Kinderwunsch.

 
 

Entspannt sitzen Kostja Ullmann und Eko Fresh auf der schwarzen Couch in der eleganten Lounge eines Kölner Hotels. Beide machen einen sehr lockeren Eindruck und geben gelassen Auskunft zu ihrem Film „3 Türken und ein Baby“. Man merkt, dass die zwei gerne zusammenarbeiten und sich auch privat bestens verstehen. Zwar fehlt der Dritte und Älteste im Bunde, Kida Ramadan, aber selbst das kann ihre gute Laune nicht trüben. Sie erzählen lachend kleine Geschichten vom Set. Offen stehen sie Rede und Antwort und schnell wird klar, dass ihnen der Film am Herzen liegt. Was sie alles erlebt haben und was so Lustiges vor der Kamera passiert ist? Lest selbst!

k50//Von drei Türken sind immerhin zwei hier. Aber wo ist das Baby?
Eko: Das kommt heute nicht.
Kostja: Es wird bei der Premiere wahrscheinlich schon so groß sein, dass wir es nicht mehr wiedererkennen.

k50//Wie wurde es gecastet?
Kostja: Clara ist gut gelaunt hinter einem Ball her gekrabbelt und der Regisseur wusste sofort: Die ist es! Wir brauchten ihre drei Doubles auch kaum, weil sie es echt super gemacht hat.
Eko: Überall waren Babys. (lacht)



k50//Im Film wohnt ihr als Brüder mit über 30 noch zusammen. Auch während der Dreharbeiten habt ihr unter einem Dach gewohnt. Seid ihr euch auf die Nerven gegangen?
Eko: Nee, jeder hatte ja ein eigenes Zimmer. (beide lachen)
Kostja: Überhaupt nicht, eher im Gegenteil. Wir haben häufig abends noch zusammen auf der Dachterrasse gechillt. Wir verstehen uns sehr gut und haben immer noch Kontakt. Auch mit dem Regisseur Sinan Akkus hatten wir ein richtiges Buddy-Verhältnis.

k50//Wäre so eine chaotische Brüder-WG auch privat etwas für euch?
Eko: Ich glaube nur zeitweise, kommt aber auch immer auf die Situation an. Im Film wohnen die Brüder ja auch eher der Umstände wegen zusammen und sind nicht so zufrieden mit der Situation. Trotzdem halten sie zusammen.
Kostja: Ich selbst war nie ein WG-Mensch, deswegen kann ich es mir nicht vorstellen. Zeitweise war es lustig, aber auf Dauer kann das auch in die Hose gehen, wie im Film.

(Ekos Handy klingelt. Kida ruft an. Eko: „Ihr seht, er ist mental dabei.“)


k50//Wie läuft so ein Filmprojekt ab?

Kostja: Zuerst geht man zum Casting. Das hat schon so viel Spaß gemacht. Kida ist wahnsinnig witzig. Mit Sinan zusammen ist es eine explosive Mischung. Vor dem Dreh haben wir uns alle zusammengesetzt, die Rollen besprochen und geprobt. Gefilmt wurde dann zwei Monate. Ich hab mich sehr gefreut, dass wir als Vierergespann zusammengearbeitet haben.

k50//Worin unterscheiden sich die drei Türken von anderen Vätern?
Kostja: Das Klischee sagt, türkische Männer können nicht mit Kindern umgehen. Auch die Brüder haben so ihre Probleme mit der Kleinen und kommen auf unglaubliche Ideen.
Eko: Kostja will ihr auch einmal Ayran im Fläschchen geben. (lacht) Das sind so die Hindernisse bei drei türkischen Vätern.
Kostja: Der Film spielt zwar mit Klischees, aber sehr liebevoll. Er ist aus dem Leben gegriffen und ernst gemeint, aber immer mit einem kleinen Augenzwinkern.
Eko: Die Brüder sind auch nicht typische Türken, sie haben bloß den türkischen Hintergrund. So ähnlich, wie das bei der Generation im wahren Leben auch ist. Die Klischees sind also nicht das, worauf der Film hinaus will.

k50//Hat Filmbaby Clara euren Kinderwunsch beeinflusst?
Kostja: Ja, keine Kinder! (lacht) Nein, Quatsch, es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Am Anfang hat es gedauert, bis sie gecheckt hat, dass wir alle ganz nett sind. Aber am Ende war es toll mit ihr. Es wird spannend, sie bei der Premiere wiederzusehen.
Eko: Kostja hatte die meisten Szenen mit dem Baby und ich hab gegen Ende gesehen, dass die beiden schon eine richtige Bindung hatten. Clara wollte dann immer zu ihm.
Kostja: Bei dir ging es ja auch noch. Bei Kida war es echt immer schwer mit ihr. (lacht)
Eko: Aber irgendwann möchte ich auch Kinder haben. Irgendwann.

k50//Wie war es mit einem Baby zu arbeiten? Worauf muss man achten?
Eko: Ich hab gehört, dass es immer schwierig ist, mit Babys und Tieren zu drehen. (lacht)
Kostja: Es dreht sich halt alles ums Kind. Du musst auf seine Stimmung reagieren. Es gab auch Szenen, wo es einfach keinen Bock hatte und nur weinte. Da hieß es: Okay super, machen wir einfach eine weinerliche Szene.

k50//Eko, wie war es für dich, zum ersten Mal einen Film zu drehen?
Eko: Ich habe vorher Schauspielstunden bekommen. Das war sehr ungewohnt. Dann hatte ich auch noch die erste Szene im ganzen Film. Und zwar direkt eine Art Monolog, weil ich telefoniert habe und am anderen Ende ja eigentlich gar keiner war. Es war eine emotionale Szene und eine große Überwindung. Nach ein paar Tagen ist dann aber der Knoten geplatzt.



k50//Hattest du Angst, neben den erprobten Schauspielern nicht mithalten zu können?
Eko: Auf jeden Fall, aber die sagen, ich hab es gut gemacht. (Kostja schüttelt lachend den Kopf) Ich kann das selber schlecht beurteilen. Für einen Rapper war ich, glaub ich, ganz gut.
Kostja: Auch für einen Schauspieler. Eko ist super selbstkritisch. Er arbeitet immer wahnsinnig an sich. Sieht man ja an seiner Musik, sonst wäre er nicht so erfolgreich. Er wollte wohl beweisen, dass er auch ein guter Schauspieler ist. Man darf sich echt darauf freuen!

k50//Sehen wir dich jetzt öfter auf der Leinwand?
Eko: Hoffentlich. Das hängt davon ab, wie der Film läuft und wie die Leute mich annehmen. Ich hoffe, dass die Resonanz gut ist und würde gerne mehr machen.
Kostja: Wir lesen ja gerade die Drehbücher für Teil 2,3 und 4. (beide lachen)

k50//Sind dir Parallelen zwischen Musikbranche und Film aufgefallen?
Eko: Ja. Du stehst in der Öffentlichkeit und musst dich irgendwie selber inszenieren. Auch bei einem Raptext musst du in dem Moment diese Geschichte fühlen, sonst klingt es vorgelesen.

k50//Gibt es eine besonders lustige Situation vom Set?
Kostja: Viele. Mir fällt spontan eine ein, bei der ich mich echt zusammenreißen musste beim Dreh. Das Kind ist schlecht gelaunt und wir versuchen, es irgendwie zu belustigen. Eko spielt auf einer gitarrenähnlichen Saz und Kida macht Bauchtanz. Dazu hält er ein iPad mit zwei Brüsten an sich. Das sieht verdammt sexy aus, ich konnte nicht mehr. (lacht)

k50//Kostja, im Sommer warst du in „Saphirblau“ als Geist zu sehen. In „Coming In“ spielst du einen Schwulen, der sich in eine Frau verliebt und jetzt wirst du ein türkischer Ersatzpapi. Wie schnell bist du in einer Rolle drin?
Kostja: Ich spiele immer ungern parallel in zwei Filmen, weil ich Probleme damit habe, mich auf zwei Sachen zu konzentrieren. Ich will lieber alles in einen Film stecken und Vollgas geben. Das Tollste finde ich, wenn du so in eine Rolle versinkst, dass du nicht mehr darüber nachdenken musst, wie der Charakter reagieren, handeln oder sprechen würde. Eine Woche Pause reicht mir aber, um mich auf eine andere Rolle vorzubereiten.

k50//Wie viel von euch steckt in euren Rollen?
Eko: Der Regisseur hat mich vorher gecheckt und dann die Rolle noch mal umgeschrieben. Sie ist jetzt nicht typisch für einen Rapper, aber näher an mir dran, als man denkt. Mein Charakter ist der Ruhige von den Dreien, nicht der Aufreißer oder so. Ich glaube, die Zuschauer wird es überraschen, dass ich eben nicht auf dicke Hose mache.
Kostja: Der große Unterschied bei mir war, dass ich rappen musste und es null kann. Eko hat mir Gott sei Dank geholfen. Im Gegensatz zu mir ist mein Film-Ich so ein Macher-Typ und das bin ich wirklich gar nicht. Es gibt aber bestimmte Kleinigkeiten, die man mitnehmen kann. Zum Beispiel der liebevolle Umgang dem Kind gegenüber, den er entwickelt. Dass er aber am Anfang so gar nichts mit dem Kind anfangen kann und es unterm Arm hält wie eine Aktentasche, ist mir schon sehr fremd.

k50//Würdet ihr einen zweiten Film drehen?
Kostja: Also ohne die Jungs schon. (lacht)
Eko: Ich gerne. Wäre doch spannend, wenn wir das Baby am Flughafen verlieren und nach Istanbul fliegen. Das war am Set so eine Idee.
Kostja: Dann hat Kida eine lange Fahrt vor sich. Der hat nämlich Flugangst.
Eko: Der fährt dann mit dem Zug. (lacht)
Kostja: Ich sage selten bei einem Film, dass ich echt tierisch Bock auf einen zweiten Teil hätte.
Eko: Letztendlich entscheiden das die Leute.
Kostja: Eure Leser.



k50//Warum sollten Jugendliche in den Film gehen?

Eko: Er hat eine ganz freche Sprache und ist ganz nah am Puls der Zeit. Alles auf eine süße Art, aber trotzdem bleibt es cool. Das fand ich geil an dem Film.
Kostja: Natürlich geht es um das Alter, wo man anfängt, über Kinder nachzudenken. Es geht aber auch ums Erwachsenwerden. Die Brüder stellen sich Fragen wie: Was will ich erreichen? Was will ich beruflich machen? Außerdem hat er eine grandiose und einmalige Komik.
Eko: Alleine die Szene, wo Kostja zu der älteren Dame geht, ist schon so geil. Das wird Kult sein und auf dem Schulhof DAS Thema. (beide lachen)

k50//Gibt es etwas, was ihr unseren Lesern noch unbedingt sagen wollt?
Eko: Stürmt die Kinos!
Kostja: Ihr seid mega cool! (lacht)
Eko: Und liked uns auf Facebook. Da könnt ihr uns schreiben, in welchen Städten ihr uns gerne auf der Kinotour hättet.

k50//Danke euch für das Gespräch!





Telefoninterview Kida


k50//Du hast als einziger von euch dreien schon
eigene Kinder. Konntest du Erfahrungen von zuhause nutzen?

Kida: Klar, man weiß halt wie es ist als Vater von fünf Kindern.
Ich koche aber zuhause auch nicht oder wechsle die Windeln,
sondern versuche eher der beste Freund zu sein.
Und das konnten die beiden anderen auch.

k50//Du möchtest insgesamt eher weg von Rollen
mit Migrantenklischees. Warum war Sami okay?

Kida: Weil die Brüder eben nicht die Klischee-Türken sind.
Die essen Schweinefleisch, trinken Bier und sprechen kein Türkisch.
Ich muss sagen, es ist der schönste Film, bei dem ich mitgemacht habe.

k50//Obwohl du gar kein Türke bist, hast du in mehreren
Filmen einen gespielt. Fühlst du dich denn etwas türkisch?

Kida: Ja, ich spreche die Sprache perfekt und weiß, wie sie
ticken und träumen. Meine Mutter ist auch ¾ türkisch,
deswegen bin ich sehr d´accord mit denen.

k50//Worauf freust du dich am meisten bei dem Film?
Kida: Auf eine Million Zuschauer! (lacht)