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Schule

Helke philosophiert mit

Philosophiefestival. Bei der phil.cologne diskutierte Jürgen Wiebicke mit Lukas Meyer darüber, ob der Klimawandel ein Gerechtigkeitsproblem ist. k50 war mit Helke Ellersiek dabei.

 
 

Wettbewerb der guten Ideen

„Es wird wärmer. Sie merken das. Das ist gut für die Trauben am Rebstock. Der Riesling wird besser. Und gut möglich, dass wir davon in Zukunft eine Menge brauchen werden, um uns nämlich die Folgen der Erderwärmung schön zu trinken.“, so eröffnet Jürgen Wiebicke, der Moderator des Philosophischen Radios bei WDR5, die Veranstaltung am ersten Tag der zweiten phil.cologne, dem internationalen Philosophiefestival hier in Köln. „Es ist ungefähr so, als ob es fünf vor zwölf ist und wir werfen die Uhr weg.“
Das ist natürlich der Einstieg für Lukas Meyer. Richtig müsste es heißen: Univ.-Prof. Dr. phil. Lukas H. Meyer. Er ist Professor an der Universität Graz für Praktische Philosophie und arbeitete am kürzlich veröffentlichten UN-Klimabericht mit.

Was bedeutet der Aspekt der Gerechtigkeit beim Klimawandel? Es gibt da mehrere Ansätze, über die man sprechen kann. Am naheliegendsten ist natürlich die Generationengerechtigkeit. Wie kann es gerecht sein, dass die nachfolgenden Generationen, egal wie sehr wir unsere Emissionen herunterfahren, auf jeden Fall an den Folgen unseres umweltschädlichen Verhaltens leiden werden? Gibt es deshalb eine Pflicht zum Emissionseinsparen? Und wie lässt sich das mit einem liberalen Lebensgedanken vereinbaren, in der jeder seinem Gewissen verpflichtet ist und privater Emissionsverbrauch nicht staatlich kontrolliert werden sollte bzw. kann?

Das ist auch ein Problem des zweiten Gerechtigkeitsaspekts: Der Verteilungsgerechtigkeit. Dabei könnte es eine Art Pro-Kopf-Maximalmenge geben, die man an CO2 ausstoßen dürfte. Aber wie verteilt man diese Mengen? Dürfen ärmere Staaten einen höheren Pro-Kopf-Emissionswert haben als Industriestaaten? Und wie legt man fest, welche Emissionen nötig sind – und welche überflüssig? Es gibt natürlich die Unterscheidung von privat und beruflich. Der Ausstoß, der zur Arbeit gehört wäre vielleicht legitim, weil er zum gesamtgesellschaftlichen Nutzen gehört - aber dafür dürfte man nicht mehr im Urlaub auf die Kanaren fliegen? Oder darf man es, wenn man die beruflichen Emissionen einspart?

Das setzt voraus, dass man den globalen Emissionsausstoß auf Staaten verteilt, und darunter vielleicht noch mal den Bürgern unterschiedliche Mengen zuspricht, weil es natürlich auch innerhalb der Staaten Reichtums- und Armutsgefälle gibt. „Was aber natürlich eine nicht ganz zutreffende Beschreibung ist, weil es nicht um eine Verteilung auf die BürgerInnen geht, sondern darum: Wie wirtschaften sie als Kollektive so, dass sie mit diesen Emissionen auskommen?“ Außerdem müssten die BürgerInnen ja noch das an Wohlfahrt erhalten, was ihnen im jeweiligen Staat gerade zusteht, so Meyer.

Als weitere Möglichkeit nennt er aber die, dass man sich gar nicht auf solche Höchstmengen einigt und wir einfach „als Individuen einen Unterschied machen“. Hiernach sagt der Professor etwas ganz Wichtiges, was in der ganzen Diskussion zuvor gefehlt hatte: Bisher hatte man über die Einzelpersonen gesprochen, die zu faul, zu ungebildet, zu verantwortungslos waren, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Ein Gast hatte auf die Frage, was sein Beitrag gegen den Klimawandel sei, geantwortet, er sei mit der Bahn zur Veranstaltung gefahren. Es gab einen halb ehrlichen, halb ironischen Applaus vom Publikum. Das ist schon absurd. Denn angesichts der Mengen, die Unternehmen in Volkswirtschaften mit Erlaubnis der Regierungen Ausstoßen, sind die Einsparungen einer oder mehrerer Bahnfahrten lächerlich.

Deswegen sagt Meyer nun endlich: „Die Idee, dass riesengroßer Verzicht einhergeht mit der effektiveren Klimapolitik, ist meines Erachtens unbewiesen. Sie kann nur angenommen werden, wenn es nicht gelingt, eine politische Lösung umzusetzen.“ Es ist ein wichtiger Punkt. Bei philosophischen Diskussionen besteht manchmal die Gefahr, dass man sich nur auf die privaten Lösungsansätze konzentriert, weil es um die eigenen Maximen geht, für die man zunächst als Einzelner verantwortlich ist. Gerade beim Klimawandel ist es aber wichtig, die politischen Rahmenbedingungen anzusprechen. Denn es bestehen zwischen Unternehmen und Bürgern nun einmal Interessen, die sich klimapolitisch widersprechen. Stromkonzerne haben ein Interesse, möglichst viel Strom zu verkaufen, um Geld zu verdienen. Das ist nie klimafreundlich. Auch nicht bei Erneuerbaren. Stromverbraucher wollen – wenn schon nicht wegen der Emissionen – zumindest wegen des Geldbeutels Strom sparen. Und dann gibt es noch die Unternehmen, die möglichst billig eine feste Menge an Strom verbrauchen wollen, und z.B. die Befreiung von der Ökostromumlage nutzen.

Gerechtigkeit bedeutet auch immer einen Interessenausgleich, der aber selten auf natürliche Weise zustande kommt. Freiwillig verdient kein Unternehmen weniger Geld. Will man also auf eine echte Emissionsgerechtigkeit hinwirken, braucht man entsprechende Rahmenbedingungen, die nur die Politik festlegen kann. Marktdarwinismus widerspricht einfach einer gerechten Klimapolitik.

Deshalb brauchen wir einen „Wettbewerb der guten Ideen“, wie Wiebicke es auf einen schönen Begriff bringt. Damit auch tatsächlich Emissionen eingespart werden, und die Einsparungen gleichzeitig gerecht verteilt werden.

Und warum tun die Einzelpersonen so wenig für ein klimafreundliches Verhalten im Privaten? Bequemlichkeit? Geiz? Ignoranz? Zu schlecht informiert? Vielleicht ist das Ganze ja ein Bildungsproblem? Zumindest letzterem widerspricht Wiebicke und erzählt von einem Schüler, der sich bereits ausgerechnet hat, wie lange es noch dauert, bis es auch für ihn spürbar ernst wird mit dem Klimawandel – und bis dahin könne er ja noch feiern. „Da gab's kein Bildungsproblem. Da gab es eine Lücke zwischen „Ich weiß, was angebracht wäre, aber es gibt eine andere Seite in mir, und die Möchte aus dem Vollen schöpfen.“

Zum Schluss wird Meyer gefragt, was er seinen Töchtern am Küchentisch für einen Rat geben würde, was sie denn nun tun können. „Ich betone stets meinen Töchtern gegenüber, dass sie, bei aller Bemühung darum, ein gutes Leben, das auch ein gerechtes Leben ist, zu führen, nicht vergessen dürfen, dass das voraussetzt, dass die politischen Rahmenbedingungen okay sind. Dass das Rahmenbedingungen sind, die uns erlauben, ein gutes und gerechtes Leben zu führen. Verlasst euch nicht darauf, dass ihr als Individuen den Unterschied machen könnt. Ihr könnt Teil einer Lösung sein, aber nur, wenn die Lösung eine kollektive und politisch organisierte Lösung ist.“

Wie die aber aussehen muss – das blieb leider offen.

Das philosophische Radio kann man am 23. Mai 2014 um 20:05 Uhr auf WDR5 nachhören.
http://www.wdr5.de/veranstaltungen/philcologneklimawandel100.html

 
 

Kommentar(e) (1) »

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