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Schule

Warum G8 Kinder und Eltern vernachlässigt

Ein Kommentar von Joachim Krämer

 
 

Seit 2005 haben wir in NRW das sogenannte Turbo-Abi nach G8. Dies wurde durch die damalige Landesregierung von CDU und FDP beschlossen und von der darauf folgenden SPD-Regierung weiter befürwortet.

Sehr bald entwickelte sich allerdings Unmut bei den betroffenen Schülern, Lehrern und Eltern. Sie klagen über die enorme Belastung der Schüler, die wegen G8 mehr Lernstoff in weniger Zeit lernen zu müssen. Niemals zuvor haben Kinder unter der Woche so viel Zeit in der Schule verbracht wie heute, denn mit G8 kamen auch der Ganztag und der Langtag. Freunde, Spielen und Kind-sein bleiben damit ebenso auf der Strecke wie die Bildung selbst.

Ministerin Löhrmann (Grüne), die selbst als Lehrerin zu G9 Zeiten arbeitete, rief vor einiger Zeit einen Runden Tisch zum Thema G8 zusammen, der jetzt seine Ergebnisse vorstellte. Kern der Empfehlungen ist, am bestehenden G8 festzuhalten. Zur Entlastung der Schüler rät die Expertenkommission, weniger Hausaufgaben aufzugeben und Alternativen für Klausuren zu entwickeln.

Die Frage ist aber, ob die Umsetzung solcher Empfehlungen wirklich eine Verbesserung für die Schülerinnen und Schüler bewirken. Auch wenn weniger Hausaufgaben gut klingen, bleibt das Problem bestehen, dass der Unterrichtsstoff dennoch vermittelt und verstanden werden muss. Hausaufgaben sollten der Wiederholung und dem Üben von Unterrichtsinhalten dienen. Didaktisch richtig eingesetzt helfen sie, den Stoff zu verstehen. Nicht aber dann, wenn sie aus Zeitmangel weder kontrolliert noch aufgearbeitet werden können.
Der Vorschlag, Klausuren durch Referate oder Hausarbeiten zu ersetzen, erscheint nur auf den ersten Blick als hilfreich. Man stelle sich einmal einen Oberstufenkurs mit 25 Schülerinnen und Schülern vor. Würden diese jetzt alle ein Referat halten, das mit einer Klausur vergleichbar wäre, bliebe noch weniger Zeit, um den restlichen Stoff überhaupt zu vermitteln. Ein ähnlicher Trugschluss ist es auch, dass Hausarbeiten weniger stressig wären als Klausuren.

Mir stellt sich trotz aller Expertenempfehlungen und Schustereien an G8 noch immer die Frage nach dem praktischen Nutzen. Sind die Absolventen einer G8 Laufbahn nach dem Abitur besser auf Beruf, Ausbildung oder Studium vorbereitet als ihre G9-Vorgänger? Es würde mich interessieren, ob Sylvia Löhrmann während ihrer Zeit als Lehrerin das Gefühl hatte, dass ein Jahr weniger Schule der Bildung ihrer Schülerinnen und Schüler gut tun würde.

In meinen Augen werden durch das aktuelle System Kinder und Eltern hinter praktische politische Interessen zurückgestellt. Ein Jahr weniger Schule bedeutet auch weniger Kinder und weniger Lehrerpersonal. So werden Kosten gespart. Für mich aber an der falschen Stelle!

 
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