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Schule

Türkei und EU begegnen sich auf Augenhöhe

36 Schülerinnen und Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule legten in einem Planspiel die Schritte zum EU-Beitritt der Türkei fest.

 
 

Der Türkeibeitritt zur Europäischen Union ist ein kontroverses Thema! Zu dieser Erkenntnis kamen 36 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 10 der Willy-Brandt-Gesamtschule in Köln-Höhenhaus. Sie nahmen am 23. und 24. Oktober 2014 an einem Planspiel zur Erweiterung der Europäischen Union teil und schlüpften dabei für zwei Tage in die Rolle eines politischen Entscheidungsträgers.


Möglich gemacht wurde das Planspiel durch die Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn, die derzeit die Planspielreihe „Die Türkei – der überflüssige oder überfällige Beitrittskandidat?“ an mehreren Schulen in Nordrhein-Westfalen durchführt.


An diesem Tag konnten die Schülerinnen und Schüler in ganz verschiedene Rollen schlüpfen. Als Mitglied der Europäischen Kommission, Abgeordneter des türkischen Parlaments, Regierungsmit-glied eines Mitgliedslandes im Allgemeinen Rat oder auch in der Rolle eines Interessenvertreters diskutierten sie verschiedene Standpunkte zum Thema „Passt die Türkei in die EU“? Am Ende des Tages sollte dabei eine gemeinsame Roadmap mit konkreten Maßnahmen entstehen. Leichter gesagt, als getan. Getreu dem Spruch: „Nur wer selbst für etwas brennt, kann in anderen ein Feu-er entfachen“, versuchte man sich gegenseitig von seinem eigenen Standpunkt zu überzeugen. Benjamin Kaftan erzählt dazu: „Der Beitrittsprozess ist sehr schwierig, da es so viele Meinungen gibt, die beachtet werden müssen. Ich verstehe jetzt besser, warum politische Entscheidungen oft so lange dauern und harte Arbeit bedeuten."


Der Tag war gefüllt mit hitzigen Diskussionen und Debatten. Die verschiedenen Argumente wur-den – wie auch im echten Leben – im Plenum ausgetauscht und abgewogen. Neben der Ausarbei-tung der gemeinsamen Position waren die intensive Debatte über den Vorschlag und das Erstellen von konkreten Bedingungen in den Beitrittsverhandlungen die zentralen Lernfelder des Tages. Als Highlight stand am Ende eine finale Abstimmung über die Annahme der erarbeiteten Roadmap.


Besonderes Lob gebührte an diesem Tag den Vorsitzenden und Vizevorsitzenden der Europäischen Institutionen und des türkischen Parlaments. Sie hatten die Aufgabe, die Debatten anzulei-ten und die verschiedenen Interessen in Einklang zu bringen. „Es war ganz schön herausfordernd, den Vorsitz zu führen und die Diskussionen zu strukturieren und gleichzeitig noch mein Land Nie-derlande zu vertreten. Andererseits konnte ich mir so auch das ein oder andere Mal bevorzugt das Wort erteilen“, so Sören Ritz, der dem Allgemeinen Rat vorstand.


Die Leiterin des Forum Jugend und Politik der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn, Kerstin Ott, freute sich, dass „die Schülerinnen und Schüler durch die Teilnahme an der Planspielreihe die Gelegen-heit wahrgenommen haben, die Beitrittsverhandlungen der Europäischen Union auf eine so span-nende Weise kennenzulernen. Durch das Planspiel wird ein komplexes Thema für alle Teilneh-menden direkt erfahrbar und aber auch das Politik machen selbst wird verständlich.“


Und wie ging’s aus? An den beiden Tagen gelang es den Schülern nicht, sich auf umfassende Kriterien zu einigen, die den sofortigen Beitritt der Türkei in das europäische Bündnis ermöglichen, da viele Punkte bis zuletzt zwischen den europäischen Entscheidungsträgern und den türkischen Parlamentariern hart umstritten blieben. Einigkeit herrschte aber darüber, dass Europa und die Türkei eng zusammenarbeiten müssen, um gemeinsame Ziele, zum Beispiel zur Bekämpfung des weltweiten Terrors, erreichen zu können.


Das Planspiel half den Schülerinnen und Schülern beim Verständnis politischer Diskussionen und Prozesse, wie Anna Stommel schildert: „Zu einem Thema so lange und ausführlich zu reden und auch zu streiten, hat mir so gut gefallen, dass ich eine AG gut fände, in der man sich ein aktuelles politisches Thema vornimmt und dann von allen Seiten beleuchtet.“


Kontakt
Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn
Forum Jugend und Politik
Kerstin Ott
Telefon: 0228/8837110
E-Mail: kerstin.ott@fes.de


Weitere Informationen finden Sie auf der Website www.fes.de/forumjugend

 
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