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Schule

Mir fehlt in der Schule die Förderung der Kreativität!

Ein Kommentar von Dora Cohnen zur Schul-Diskussion rund um den Tweet von Naina K. aus Köln.

 
 

„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann 'ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“

Über 28.000 Mal wurde Naina K.‘s Tweet vom 10. Januar mittlerweile favorisiert und über 15.000 Retweets kann es verzeichnen (Stand 19.1.15). Ein Kommentar zum Auftrag der Schule

Die Diskussion um den Sinn der Schule gibt es schon lange und ähnliche Sprüche wurden schon oft geklopft. Das Problem, dass viele Schüler unvorbereitet in das reale Leben nach der Schule starten, existiert und wurde vor allem durch die Schulzeitverkürzung verschärft.
„Erwachsen“ zu werden heißt heutzutage mit meist noch nicht mal 18 Jahren in das kalte Wasser des Lebens geworfen zu werden und schwimmen zu lernen. Es gibt kaum etwas daran zu zweifeln, dass ein paar Schulstunden über den Ernst des Lebens, der, wie uns eigentlich gepredigt wird, mit Schulbeginn startet, nützlich sein würden. Allerdings sollte man dabei den hauptsächlichen Auftrag der Schule nicht aus den Augen zu verlieren.

Grundschulen bringen uns Grundkenntnisse bei, damit wir auf die weiterführenden Schulen gehen können. Die weiterführenden Schulen bereiten uns auf das Studium oder die Ausbildung vor.

Exponentialrechnungen könnte man bei einem Mathematikstudium gebrauchen, das Auswendiglernen aller Bücher des Alten Testamentes könnte bei einem Studium der Theologie nützlich sein. Für die einen scheint das eine unnütz, für den anderen beides.

Auf dem Gymnasium werden jedoch die Grundsteine für fast alle Studiengänge gelegt, von denen wir nach dem Abi wählen können. Außerdem werden uns analytische Fähigkeiten beigebracht, kritisches und logisches Denken, organisieren und der Umgang mit Stress. Teamfähigkeit, Spontaneität und Souveränität.

Alles sind grundlegende Fähigkeiten, auf denen man sich in seinem Leben verlassen muss und aufbauen kann. Das sorgfältige Lesen und reflektieren könnte zum Beispiel beim Ausfüllen von Formularen wichtig sein. Auch Sprachen kann man in der Schule kaum so günstig, einfach und schnell lernen wie in der Schule. Die Beschwerden über den Sinn der Schule sind dadurch meist nur auf schwammigen Argumenten gestützt. Auch unsere Eltern und viele andere Vorgänger haben es geschafft, Schule zu überleben und ein Leben aufzubauen.

Wir leben heute in einer Wohlstandsgesellschaft, in der alles einfacher und schneller ist. Schule ist nicht schwieriger oder leichter geworden, doch die meisten würden sich das wünschen. Sollen uns die Klausurlösungen vielleicht auf einem Silbertablett serviert, der Studienplatz hintergeworfen und das spätere Einkommen ohne Leistung verdient werden? Vielleicht wird es mal Zeit, die Arbeit selbst in die Hand zu nehmen, selber etwas zu unternehmen, anstatt sich nur zu beschweren.

Mir selber fehlen in der Schule die Förderung der Kreativität und die Förderung der Entfaltung der Persönlichkeit. Motivation, Zeit zu denken und die Entwicklung einer eigenen begründeten Meinung finden ebenfalls in den hoffnungslos überpackten Stundenplänen keinen Platz.

Den Auftrag der Schule könnte man neben den Vorbereitungen auf das Studium und auf die Ausbildung nur noch versuchen zu erweitern. Aber Menschen, die nichts anderes als Gemecker übrig haben, sind in der Schule vielleicht nicht am richtigen Ort und haben auf jeden Fall noch einiges zu lernen.

 
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