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Köln

"Unser Ehrenfeld – ein Ghetto?"

„Unser Ehrenfeld – ein Ghetto?“, fragen drei Jugendliche am Anfang in einem der Beiträge des Films „Mein Ehrenfeld“, welcher am 23.11.2014 im Ehrenfelder Cinenova seine Premiere feierte. k50-Redakteur Nicolas Uhrberg war dabei.

 
 

Wer die ersten Sekunden des Films sieht, vermutet einen Film über das „Ghetto“ Ehrenfeld, über Kriminalität und Gräben zwischen seinen Einwohnern verschiedenster Herkunft. Doch solche Vorurteile sind hier fehl am Platze und werden schnell ausgeräumt – ganz anders als erwartet geht es in dem Musikvideo nämlich um die verschiedenen Geschichten der jungen Erwachsenen.

Sie erzählen von Heimat, Familie, Träumen. Darüber, wie ihre Eltern vor einiger Zeit aus dem Ausland nach Ehrenfeld gezogen sind. Aber auch darüber, was Ehrenfeld für Chancen und Möglichkeiten bietet. Solche Geschichten sind die Stärke des Films „Mein Ehrenfeld“ von Anna Ditges und 16 Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren, die aus Ehrenfeld kommen.

Er ist eine bunte, aber trotzdem passende Zusammenstellung der verschiedenen Beiträge, die junge Erwachsene (im wahrsten Sinne des Wortes) in Eigenregie produziert haben, rund um ihr „Veedel“ Ehrenfeld. Besonders gut gefiel mir und (dem Applaus nach zu urteilen) auch vielen anderen Zuschauern der Beitrag des 13-jährigen Deniz: In seinem Film „Alt und Neu in Ehrenfeld“ nimmt er uns auf unterhaltsame, aber trotzdem höchst professionelle Art und Weise mit auf einen Streifzug durch „sein“ Ehrenfeld. Kritisch kommentiert er beispielsweise die Diskussion um die weitere Nutzung des Gebäudes rund um den Helios-Turm und schlägt vor, ein Museum in dem „Wahrzeichen“ des Kölner Stadtviertels Ehrenfeld einzurichten oder führt ein Interview mit dem Bezirksbürgermeister Josef Wirges.

Doch auch die anderen Filme sind auf ihre jeweils eigene Art sehenswerte Einblicke in das lebendige Viertel: Sie reichen von selbstgeschriebenen Songs bis zu Interviews mit Sprayern der Ehrenfelder Graffitiszene. Am Ende des Films wird dem Besucher ein Potpourri aus verschiedensten Ideen und Sichtweisen mit auf den Weg gegeben. Ehrlich, manchmal auch kritisch, aber nie langweilig – ganz wie Ehrenfeld selbst.

Info: Aktuell sind keine weiteren öffentlichen Vorführungen geplant. Der Film kann bei Punktfilm/Anna Ditges ab sofort für Vorführungen ausgeliehen werden; zudem ist eine Veröffentlichung auf DVD geplant. Kontakt Punktfilm: http://www.punktfilm.com/

 
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