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Köln

Brücke nach Israel – Avi Primor trifft Frank Schätzing

„Brückenbauer“ – so nannte sich jene Veranstaltung, die am 18. März im Rahmen der lit.CLOLOGNE im Hauptgebäude der RheinEnergie stattfand. Genauer gesagt handelte es sich um ein Gespräch zwischen einem der inzwischen bekanntesten Bestsellerautoren Deutschlands und einem Diplomaten, der Zeit seines Lebens für die israelisch-deutsche Freundschaft arbeitete.

 
 

Ich spreche von Frank Schätzing (letzter Roman „Breaking News“) und seinem Gesprächspartner Avi Primor, der anlässlich seiner vor wenigen Wochen erschienenen Autobiografie „Nichts ist jemals vollendet“ über das wechselvolle Leben als israelischer Diplomat zur lit.COLOGNE eingeladen worden war.

„Brückenbauer“ – das klingt erst einmal sehr abstrakt, besonders, wenn es dabei eigentlich um eine Literaturveranstaltung gehen soll. In diesem Falle war der Name jedoch gerechtfertigt, bot die Veranstaltung doch die Möglichkeit, einen Blickwechsel zu wagen, hinein in eines der wohl konfliktreichsten und gleichzeitig vielseitigsten Länder überhaupt: Israel.

Es lag nahe, dass das Gespräch zwischen Schätzing und Primor direkt mit der Wahl in Israel begann, die am Vortag durchgeführt worden war. Als „Enttäuschung“ bezeichnete Avi Primor darin das vorläufige Wahlergebnis, bedeutete es doch einen Rückschlag für Hoffnungen, dass endlich Frieden zwischen Palästinensern und Juden eintreten könnte.

Dann ging es daran, das wechselvolle Leben Avi Primors selbst ein wenig zu ergründen – es kam zu einem interessanten Gespräch zwischen den beiden Literaten. „Brückenbauer“ ist Frank Schätzing deshalb, weil er seinen letzten Roman in Israel hat spielen lassen und dafür im Rahmen von umfangreichen Recherchereisen die israelische Kultur ergründet hat. Somit eignete er sich perfekt als Gesprächspartner für Avi Primor, welcher ebenfalls ein „Brückenbauer“ ist: So stammt er von deutschen Vorfahren ab, ist jedoch in Israel geboren und aufgewachsen.

Später (genauer gesagt 1993) ging er dann als Botschafter im Anschluss an Einsätze in Afrika und Frankreich nach Deutschland – eine, wie er sagt, „große Herausforderung“. Warum? Weil es damals noch längst nicht selbstverständlich war, dass ein Dialog zwischen Israel und Deutschland herrschte.
Es war Avi Primor, der schließlich in Deutschland wahrgenommen und respektiert wurde, wie keiner seiner israelischen Vorgänger zuvor – auch als „moralische Instanz“ für junge Deutsche, wie ihm später erst klar wurde.

Natürlich ging es in dem Gespräch deshalb auch um die Shoah an den Juden (in Deutschland meistens als Holocaust bezeichnet), welche er durchaus auch als Antriebskraft für die spätere Entscheidung sieht, einen souveränen jüdischen Staat zu gründen.

Schließlich wurden von Frank Schätzing auch weitere Stationen aus dem Leben Avi Primors thematisiert, in denen er häufig dadurch auffiel, dass er „offen gesagt hat, was er dachte“. Nicht jedem in der israelischen Politik gefiel eine solche Einflussnahme vonseiten eines Diplomaten – von seinem Dienst abgezogen wurde Primor jedoch, wie er betont, nie.

Nach einem Exkurs in die derzeitige Nahostpolitik – „Obama ist erpicht auf Frieden im Nahen Osten, aber: Er hat auch Fehler gemacht.“ – endet das fast 150-minütige Gespräch mit einem Einblick in das Privatleben Avi Primors. Über sich als Privatperson sagt er: „Eigentlich bin ich zu Hause ganz undiplomatisch. Als ich meine spätere erste Frau zum ersten Mal gesehen habe, habe ich ihr nachgepfiffen.“ Und: „Gegen die weibliche Überzeugungskraft meiner Frau habe ich auch als Diplomat keine Chance.“
Brücken bauen – das kann jeder von uns, in dem er sich auf neue Dinge und andere Sichtweisen einlässt, ohne vorschnell zu urteilen. Den Besuchern der Veranstaltung wurde am Ende wirklich ein Fenster, eine Brücke in das Leben eines überaus interessanten Menschen und seiner Kultur gebaut.

 
 
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