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Köln

Siegen für den Führer

Der Kölner Sport in der NS-Zeit. Eine Ausstellung des NS-Dokumentationszentrums.

 
 

Das Werfen von Handgranaten, Zusammenhalt, Teamgeist, der Wille zu siegen – all das sind Eigenschaften, die Soldaten ausmachen und die sie prägen. Besonders unter der Herrschaft der Nazis in ihrem gleichgeschalteten System waren diese Tugenden und Fähigkeiten gefragt wie nie. Und wie kann man diese Dinge jungen Menschen besser auf „spielerische“ Art zeigen, als im Sport.
Lange Zeit wurden der Sport und die Kontrolle der Vereine als ein eher nebensächliches Thema der NS-Zeit abgetan. Doch nun hat das Kölner NS-Dokumentationszentrum im EL-DE-Haus durch die neue Ausstellung „Siegen für den Führer. Der Kölner Sport in der NS-Zeit“ begonnen, auch diese Vergangenheit aufzuarbeiten. Über vier Jahre hat Dr. Gabi Langen zusammen mit Dr. Jürgen Müller an dem Projekt gearbeitet.

Mangel an Dokumenten

Licht ins sportliche Dunkel zu bringen ist sehr schwierig. Viele Sportvereine wie der ASV in Köln oder der DJK besitzen keine Dokumente mehr über die zwölfjährige Periode der Nazi-Zeit. Gründe dafür liegen sicherlich in der jahrzehntelangen Verdrängung der Geschehnisse nach dem Krieg. Trotzdem konnten die Historiker mit Hilfe einiger Zeitzeugen und der Sporthochschule in Köln feststellen, was mit dem Sport passiert, wenn er über Jahre hinweg ideologisch missbraucht wird. Damit ist Köln durch die Arbeit des NS-Dokumentationszentrums die erste Stadt in Deutschland, die sich so intensiv und ausführlich mit dem großen Thema Sport unter Hitlers Herrschaft auseinandersetzt.

Kölner Sport in zwölf Jahren der Diktatur

Zahlreiche Aspekte werden in der Sonderausstellung behandelt. Von den ersten großen Sportvereinen in Köln und deren Rolle geht es bis zum damals schon sehr großen Müngersdorfer Sportpark. Der wurde bereits 1923 von Konrad Adenauer eröffnet. Anschließend die Frage, was nach 1933 passierte? Mit der Machergreifung der Nationalsozialsten wurde der Sport in Deutschland komplett umstrukturiert und so angepasst, dass er der Partei perfekt diente. Sport sollte die Deutschen zu Soldaten umerziehen. Juden wurden aus den Vereinen ausgeschlossen. Sie waren noch bis 1938 in jüdischen Sportvereinen aktiv. Diese wurden schließlich auch verboten. Die Ausstellung wirft anschließend einen Blick auf Olympia 1936 in Berlin. Deutschland versuchte ein letztes Mal, sich als friedliches Land darzustellen. Ein Ende findet die Ausstellung nach dem großen Knall und der totalen Zerstörung 1945. Wie ging es nun weiter mit Fußball, Rudern, Fahrrad fahren und all den weiteren beliebten Sportarten der Deutschen?

Ausführlich und eindrucksvoll

Optisch ist die Ausstellung sehr übersichtlich und schön gestaltet und mit vielen historischen Sportutensilien bestens ausgerüstet. Sobald man den vorderen Ausstellungsraum betritt, fallen einem gleich vier Dinge auf: sechs von der Decke hängende Boxsäcke rechts, eine große Litfasssäule links, eine Reihe von Spinden dahinter und ein durch eine runde Wand abgetrennter Bereich in der hinteren Ecke. Auf jedem roten Boxsack steht ein historisches Zitat über die sportliche Ideologie geschrieben. Auf der hellgrünen Litfasssäule kleben Plakate von Sportveranstaltungen, Sportfesten und Wettkämpfen aus der Zeit der Weimarer Republik.



Weiter hinten kommt man zu den Spinden, in denen Sportgeräte wie Tennisschläger, Ball und Diskus, aber auch Urkunden, Auszeichnungen und Medaillen ausgestellt sind – fast wie im echten Spind eines Sportlers. Direkt an der Wand steht ein einzelner Schrank, in dem die Mitgliedskarte eines Juden im T.U.S „Makabi“ e.V. – eine Abspaltung des Jüdischen Turn Vereins (JTV) – und Mannschaftsbilder des Vereins ausgestellt sind.

Widerstand oder Mitläufer?

Neben den Originalexponaten widmet sich ein Teil der Ausstellung dem Radfahrer Toni Merkens unter dem Motto „Sportidole der NS-Propaganda“. Er war damals ein gefeierter Sportler, ist jedoch im Krieg gefallen. Das Gegenstück dazu bildet die Wand mit den Aushängen über den Widerständler Albrecht Richter, der offen zugab, gegen das NS-Regime zu sein. Nach ihm wurde auch die 1996 eröffnete Radrennbahn in Müngersdorf benannt. Er wurde von den Nationalsozialisten erst ermordet und dann als „Verräter“ bezeichnet, während Toni Merkens als „Märtyrer“ in die Geschichte einging.



In der gesamten Ausstellung ist immer der direkte Bezug zu Köln gegeben und Dr. Müller wünscht sich: „Wir wollen Leute neugierig machen und hoffen, dass sie sich mehr mit den Inhalten beschäftigen. Der Sport in Köln hat auch seine dunkle Vergangenheit.“

Die Sonderaustellung ist noch bis zum 4. Oktober geöffnet. Das dazu erschienene Buch „Siegen für den Führer" bietet darüber hinaus tiefe Einblicke in die Kölner Sportvergangenheit.


Info:
Gabi Langen, Stephan Wassong und Ansgar Molzberger
Emons Verlag 2015, ISBN 978-3-95451-604-9, 29,95 Euro

EL-DE-Haus
Appellhofplatz 23-25
PLZ 50667 Köln
www.nsdok.de
Öffnungszeiten Dienstag bis Freitag 10-18 Uhr
Samstag und Sonntag von 11-18 Uhr

 
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