Drucken

Köln

Europa und die Griechen - Ein Trauerspiel oder schon eine Komödie?

Lucas Tenberg besuchte für k50 im Rahmen der phil.COLOGNE eine Diskussion mit dem griechischen Außenminister in Köln. Ein Kommentar.

 
 

Es ist Zeit für eine kleine Geschichte aus der griechischen Mythologie: Vor vielen tausend Jahren herrschte über die Hafenstadt Tyros der König Agenor. Er hatte eine wunderschöne Tochter mit dem Namen Europa, in die sich der Göttervater Zeus verliebte. Doch Agenor behütete seine Tochter stets wachsam. Also verwandelte sich Zeus in einen Stier und mischte sich unter die Herde des Königs. Als Europa auf den Wiesen ihres Vaters spielte, wurde sie auf diesen großen Stier aufmerksam und wollte auf ihm reiten. Doch sobald sie auf diesem saß, floh Zeus mit ihr in Richtung Griechenland und sie bekamen drei Kinder.

Nach dieser Prinzessin wurde der Sage nach das heutige Europa benannt. Damit sind die Griechen der Namensgeber für unsere Gemeinschaft aus 28 Nationen. Das sieht auch der griechische Außenminister Nikos Kotzias so. Und für ihn ist diese Tatsache Grund genug, dass Griechenland fest zur Europäischen Union gehören muss. Doch reicht trotz enormer Schulden und nicht einem einzigen richtigen Lösungsansatz eine alte Legende aus?

Der 64-jährige Kotzias nahm am Freitag im WDR-Funkhaus an einer Diskussion rund um das Thema „Wie rette ich ein Land?“ teil und erzählte dort die Geschichte von Europa und Zeus. Sein Fokus lag an diesem Abend auf Griechenland. Anstatt jedoch wirklich über Lösungsvorschläge zu sprechen, befasste sich Kotzias mit der EU und deren Druck auf die griechische Regierung. „Wenn ihr jetzt nicht unterschreibt, dann seid ihr tot," beschreibt er das Verhalten der EU gegenüber der griechischen Regierung. So könne die griechische Wirtschaft unmöglich wieder auf die Beine kommen. „Die natürliche Reaktion ist, dass die Leute ihr Geld von der Bank abheben", sagte der Außenminister. Recht hat er mit dieser Einschätzung. Sobald die Anleger und Sparer Angst um ihr Geld haben, nehmen sie es von den Konten der Bank. Diese verliert dadurch ihre Arbeitsgrundlage: Geld.

Jedoch sollte Kotzias nicht vergessen, dass die Griechen selbst Schuld an dieser Misere tragen. Die Hilfe von Deutschland und den restlichen EU-Ländern basiert auf reiner Solidarität. Sich ständig zu beschweren über zu harte Sparauflagen hat sich auch unter der Regierung Tsipras nicht geändert. Die Gläubiger haben bereits auf die Rückzahlung der Hälfte ihrer Schulden verzichtet. Irgendwann reicht es auch mal. Es ist fünf vor zwölf und der Staatsbankrott droht. Dennoch weiterhin EU-Kommission, Internationalen Währungsfonds und Europäische Zentralbank zu attackieren, kann sich schon bald als extrem fahrlässig erweisen.

Mir ist es unverständlich, wie Nikos Kotzias die Tatsache, dass Steuerhinterzieher dem Staat Griechenland über 70 Milliarden Euro schulden, unter den Tisch kehrt mit der Begründung „Wir haben große juristische Schwierigkeiten, gegen diese Leute vorzugehen." Solange die Griechen nicht anfangen, auch die Probleme in ihrem eigenen System zu suchen, ist es fast schon kindisch, sich ständig über die EU zu beschweren.

Von dem Abend mit dem griechischen Außenminister habe ich mir sicherlich mehr erhofft. Der Titel „Wie rette ich ein Land?“ hat zumindest die Hoffnung geweckt, endlich einmal vernünftige Ideen und Vorschläge zu hören. Aber es blieb wie immer in dieser Zeit: gegenseitige Schuldzuweisungen und keine konstruktiven Ideen. Während der Schuldenberg Griechenlands wächst, werden auch die Rettungskosten und die Unzufriedenheit immer größer. Es ist fraglich, ob überhaupt noch ein Kompromiss gefunden werden kann. Der wird zwar von allen Seiten gefordert, aber niemand geht ihn ernsthaft an. Auch Nikos Kotzias konnte an diesem Abend keine überzeugenden Maßnahmen vorstellen. So hat sich Zeus das Zusammenleben sicherlich nicht vorgestellt, als er vor tausenden Jahren die schöne Europa nach Griechenland entführte.

 
Kommentar(e) (3)